Jetzt habe ich das Projekt Hörsturz schon eine ganze Weile schleifen lassen – irgendwie ist ein wenig die Luft raus; gute neue Bands finde ich bei exzessiver Nutzung von Last.fm ja auch zur Genüge. Trotzdem, ganz möchte ich es dann doch nicht schleifen lassen, dafür ist mir das zweiwöchentliche Bewerten schon zu sehr zur Gewohnheit geworden. More
Würde man die neun Mitglieder des Berlin Boom Orchestra, träfe man sie in der Berliner Innenstadt, für ein Reggae-Ensemble halten? Womöglich nicht; umso bemerkenswerter klingt ihr sommerlicher Soundmix aus Ska, Reggae und dem obligatorischen Schuss Dancehall, der weit davon entfernt ist, bloß jamaikanische Künstler zu imitieren. Neben der charakteristischen Stimme von Sänger Filou stechen dabei auf dem zweiten Album der Band, “Hin und Weg”, vor allem die tiefsinnigen Texte heraus, in denen das Berlin Boom Orchestra sich etwa mit Elendstourismus und Revisionismus beschäftigt, sich vor allem aber gegen jede Art von Nationalismus ausspricht und für Völkerverständigung stark macht: “Wenn es eine Grenze gibt, dann nicht die zwischen den Völkern, sondern zwischen oben und unten”. Politische Texte zu tanzbaren Melodien: Eine Mischung, die wenigstens in diesem Fall absolut aufgeht. Wertung: ★★★★★★★★☆☆
Bei stetig sinkenden Teilnehmerzahlen bringe ich es ja kaum übers Herz, mal eine Runde beim Projekt Hörsturz auszusetzen. Zugegeben, mit nur noch Pflichtsongs ist der Aufwand ja auch entsprechend gering, darum bleibe ich noch eine Weile bei der Musik. No pun intended. More
Nachdem ich vergangene Runde mal eine Pause einlegte (was sich schon komisch anfühlte, nachdem ich seit Ausgabe #23, also die Hälfte aller Runden, nonstop dabei war), bin ich diesmal wieder dabei beim Projekt Hörsturz, passend zur neusten Sonderrunde. Das Thema ist diesmal unplugged, eines der wenigen, das mich tatsächlich mal zu einer Sonderrunde reizt. More
Sein Debüt “For Emma, Forever Ago” verschaffte Justin Vernon, tätig unter dem pseudofranzösischen Alias Bon Iver, 2008 einen unerwarteten, wenn auch höchst verdienten Erfolg, nebst Fans wie Kanye West und Peter Gabriel und einer ständig überlasteten Homepage. (Fail.) Follow-Up “Bon Iver, Bon Iver”, geschätzt bereits jetzt das am meist falsch betitelte Album der Musikgeschichte (okay, den Namen drei mal hintereinander zu schreiben sieht schon irgendwie lächerlich aus), ist gegenüber dem simplen Folkpop des Erstlings entrückter, zauberhafter geraten: Eine magische Liebeserklärung Vernons an seine Heimat Visconsins. Das Album erscheint nächste Woche; einen Vorab-Stream gibt es hier. Wunderbar.
Es ist wieder einmal Zeit für’s Projekt Hörsturz, diesmal ohne große Vorrde. Mein Vorschlag findet sich in den Bonussongs wieder, einen Vorschlag reiche ich nach. More
So, Lena ist entthront. Aserbaidschanischer Schnulzenpop räumte beim Eurovision Song Contest in Düsseldorf groß ab; die Überraschung des Tages war aber der jazzende Italiener Raphael Gualazzi, der sich überhaupt nicht um ESC-Konventionen scherte, damit genau den Nerv des Publikums traf und den zweiten Platz schaffte. Als Sympathieträger wurden die moldawischen Hüte oder Irlands Chaostwins gehandelt; ich halte es da mehr mit Bosnien, deren Balkanfolk-Jahrmarktstruppe so viel natürlicher daher kam und den verdienten sechsten Platz holte. Aber immerhin, uns Lena hat sich doch gar nicht so schlecht geschlagen. Und damit zu etwas viel Wichtigerem: Auch der Gedankendeponie Song Contest 2011 ist entschieden, den Kamil mit Polen gewann, wobei ich mit der Slowakei einen ordentlichen 12. Platz belegte. Also so gut wie die moldawischen Hüte, und das ganz ohne schrägen (oder überhaupt irgendwelchen) Gesang. Mein Favourit Belgien hat übrigens einen ebenfalls tollen 3. Platz geschafft.